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Meisterstipendiaten berichten ...

Neustart beginnt mit „E“: Ein Vergolder im E-Handwerk

Elektronik fasziniert Andreas Gärtner schon seit frühester Kindheit – zum Beruf machte der 36-jährige Meisterstipendiat der Initiative „Elektromarken. Starke Partner.“ seine Passion allerdings erst 2014 als er eine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik begann. Davor arbeitete er als gelernter Vergolder und Fassmaler im Frankfurter Raum. Mittlerweile hat er seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und auch die Zeit an der Vollzeitmeisterschule neigt sich dem Ende zu. Wie es danach für ihn weitergeht und was der Meistertitel ihm persönlich bedeutet, erzählt uns Andreas im Interview.

Meisterstipendiat Andreas Gärtner

Du hast dich erst recht spät für eine Ausbildung zum Elektroniker entschieden. Wann wurde dir klar, dass das E-Handwerk deine Zukunft ist?

Anfang 2014 wurde mir klar, dass ich mein Leben grundlegend ändern möchte. 16- bis 18-Stunden-Tage schienen mir als Familienvater nicht länger erstrebenswert. Und so wollte ich – frei nach dem Motto „Ganz oder gar nicht“ – ein neues Handwerk von der Pike auf lernen.

Das Thema Elektronik fasziniert mich schon mein ganzes Leben lang, sei es etwa beim Löten der heimischen Modellbahn, dem Zusammenbau der eigenen PCs oder auch beim Verkabeln der KFZ-Elektronik im eigenen PKW. Bei einem alten Bekannten erkundigte ich mich nach einer Lehrstelle in diesem Bereich und begann im September 2014 die Lehre zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik, die ich im Sommer 2017 beendete.

Aktuell besuche ich in Vollzeit die Meisterschule in Frankfurt und werde dort voraussichtlich Mitte 2018 meinen Abschluss machen.

Warum hast du dich für die Meisterausbildung und nicht für ein Studium entschieden?

Ein Studium kam direkt nach der Ausbildung für mich nicht infrage. Ich finde Theorie sehr wichtig, aber eine nahezu rein theoretische Ausbildung wäre mir persönlich einfach zu steif. Abgesehen davon bin ich der Meinung, dass einem bei der Meisterausbildung viele wichtige Dinge vermittelt werden, die im Studium wahrscheinlich zu kurz kommen.

Die Devise „von Praktikern für Praktiker“ finde ich da wesentlich schlüssiger für meinen weiteren Werdegang. Ob ich vielleicht irgendwann noch ein Studium nach meiner Meisterausbildung anhänge, möchte ich aktuell allerdings nicht komplett ausschließen. 

Was bedeutet für dich der Meistertitel?

Den Meistertitel zu tragen ist für mich, der selbst aus einer alten Handwerkerfamilie kommt, die höchste Auszeichnung. Der Meister wird einem in vielen Hinsichten wirklich nicht geschenkt: Die Ausbildung ist hart, aber man weiß genau, wofür man die Strapazen auf sich nimmt.

Nicht umsonst ist der Meistertitel mittlerweile mit dem Techniker, dem Bachelor und dem Diplomingenieur europaweit auf eine Stufe gestellt worden. 

Der Meistertitel bedeutet für mich persönlich auch einfach ein Stück Freiheit zu genießen. Die Freiheit, nach der abgelegten Meisterprüfung nicht nur im Angestelltenverhältnis zu arbeiten, sondern sich auch selbstständig machen zu dürfen.

Zum Glück herrscht in unserem Handwerk die Meisterpflicht. Somit soll sichergestellt werden, dass in diesem doch teilweise gefährlichen Beruf nur die eigenverantwortlich arbeiten dürfen, die auch wissen, was sie tun. 

Welchen beruflichen Weg möchtest du nach Abschluss der Meisterausbildung gehen? Gibt es schon konkrete Pläne?

Schon während meiner Ausbildung habe ich mit dem Gedanken gespielt, später an einer berufsbildenden Schule zu unterrichten. Ich habe recht schnell gemerkt, dass ich mit den jüngeren Kollegen sehr gut klarkam und bei Fragen immer hilfreich zur Seite stehen konnte.

In meinem Ausbildungsbetrieb bekam ich zusätzlich schon öfters die Möglichkeit, mit anderen Auszubildenden in Kontakt zu treten – mal auf diversen Ausbildungsmessen, mal auf der Baustelle.

Das alles machte mir so viel Spaß, dass ich beschloss, mich intensiv um eine Stelle an einer Berufsschule zu bemühen. Ich bekam eine Zusage und beginne ab November 2018 meinen Vorbereitungsdienst, auf den ich mich schon sehr freue.

Du hast eine drei- und eine sechsjährige Tochter. Wie finden die Kids deinen Beruf?

Die Kleine hat aktuell noch nicht viel mit der Materie Elektrotechnik zu tun, meine Große interessiert sich allerdings schon sehr für alles, was mit Technik zu tun hat. Sie war auch während meiner Ausbildung ein paar Mal mit in unserem Schaltanlagenbau, wo sie immer sehr interessiert nachfragte und ganz genau wissen wollte, wofür denn welches Teil sei.

Zu Weihnachten stand nun ein Roboter von Lego, den man mit einem Tablet steuert, ganz oben auf ihrem Wunschzettel. 

Mir persönlich ist es schon wichtig, dass meine Kinder mit der Technik groß werden, die heute nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken ist – natürlich nur in Maßen und unter Aufsicht.