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Meisterstipendiaten berichten ...

Studium? Einfach zu trocken!

Nils Notthoff ist 24 Jahre alt und Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Seine Ausbildung schloss der Elbtaler als Innungsbester ab. Es folgte die Ausbildung zum Meister, bei welcher er von der Initiative „Elektromarken. Starke Partner.“ mit einem Meisterstipendium unterstützt wurde. Seinen Meister hat der 24-Jährige mittlerweile in der Tasche, aktuell ist er bei Elektrotechnik Schneider in Rennerod beschäftigt. Im Interview erzählt Nils, was ihn am E-Handwerk so begeistert und warum er sich lieber für eine Ausbildung anstatt für ein Studium entschieden hat. 

Elektromeister Stipendiat Nils Notthoff

© WFG Westerwaldkreis mbH

Nach dem Abitur hast du zunächst ein Studium begonnen, dieses dann aber abgebrochen. Warum?

Das Studium war nur eine Art „Notlösung“, da ich so kurz nach dem Abitur zum Sommer keine Ausbildung mehr gefunden habe. Vor dem Abitur lag der Schwerpunkt eher auf der Abiturvorbereitung als auf der Ausbildungssuche. Deswegen wollte ich lieber ein Studium probieren bevor ich nachher gar nichts habe.

Jedoch war ich schon immer mehr der praktisch veranlagte Typ, weshalb ich auch nach kurzer Zeit merkte, dass ein Studium einfach zu trocken und theoretisch für mich ist. Daraufhin habe ich direkt einige Bewerbungen zur Ausbildung zum Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik geschrieben und bekam dann auch aufgrund meines Abiturs die Möglichkeit, kurzfristig im laufenden Ausbildungsjahr meine Ausbildung bei Elektrotechnik Schneider zu beginnen.

Was fasziniert dich am E-Handwerk?

Die riesige Vielfalt der Arbeiten, die sich im E-Handwerk ergeben. Von der einfachen Hausinstallation über moderne Gebäudetechnik bis hin zu Industrieanlagen und Steuerungen für die öffentliche Versorgung. Man lernt jeden Tag etwas Neues kennen und bildet sich auch bei der Arbeit ständig weiter. In der Ausbildung begegnen einem nur die wichtigen Grundlagen des E-Handwerks, darauf baut man dann in der weiteren Laufbahn auf und lernt immer neue Techniken und Arbeiten dazu.

Mich persönlich fasziniert außerdem der ständige und rasante Wandel der Elektrotechnik. Täglich kommen neue Innovationen auf den Markt. Dadurch befinden sich die Berufe im E-Handwerk ständig im Umschwung, was die Arbeit immer sehr spannend und abwechslungsreich macht. 

Außerdem gefällt mir die Kombination der handwerklichen Arbeit mit der Planungsarbeit, den dahintersteckenden Technologien sowie Programmen und Steuerungen. Hinzu kommt der Umgang mit Kunden aus den unterschiedlichsten Bereichen, wie privat, öffentlich oder auch aus der Industrie.

Ein weiterer Punkt, der mir am E-Handwerk so gut gefällt, ist die Kombination aus körperlicher sowie theoretischer und planerischer Arbeit. So wird es nie langweilig.

Parallel zu deiner Ausbildung im E-Handwerk hast du an den Wochenenden die Betriebsassistenten-Ausbildung absolviert. Was hat dich hierzu motiviert?

Ich merkte recht schnell, dass ich mit meiner Ausbildung genau die richtige Wahl getroffen hatte und der Beruf genau mein Ding ist. Nach dem ersten Ausbildungsjahr wurde ich durch die HWK Koblenz auf die Weiterbildung zum Betriebsassistenten am Wochenende aufmerksam. Mein langfristiger Plan war es schon damals, im Anschluss an die Ausbildung zeitnah mit meinem Meister zu beginnen. Somit bot sich die Weiterbildung für mich an, da ich durch diesen Abschluss von den Teilen 3 und 4 des Meisters befreit wurde und sich somit die Zeit für die Meisterschule um einige Monate verkürzen ließ.

Natürlich war es hart, fast jeden Samstag um sechs Uhr früh aufzustehen und nach Koblenz in die Schule zu fahren, während meine Freunde gerade erst vom Feiern nach Hause kamen. Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt und ich habe bei der Weiterbildung sehr viel Ergänzendes zur Ausbildung gelernt. Außerdem konnte ich mir im letzten Jahr die Teile 3 und 4 der Meisterprüfung schenken und direkt mit den Fachteilen 1 und 2 beginnen.

Elektroniker Meister Nils bei der Arbeit

© WFG Westerwaldkreis mbH 

Welche Eigenschaften sind deiner Meinung nach für die Ausübung eines Berufs im E-Handwerk besonders wichtig?

Ganz wichtig ist natürlich das handwerkliche Interesse sowie Interesse an Mathe und Physik, also den technischen Schulfächern. Wenn einen diese Fächer interessieren, ist eine Ausbildung im E-Handwerk auf jeden Fall eine gute Entscheidung. 

Außerdem sollte man Bereitschaft zeigen, sich auch nach der Ausbildung ständig auf dem Laufenden zu halten, denn es findet, wie schon erwähnt, ein sehr rasanter Wandel im E-Handwerk statt. Neue Methoden und Technologien sollten einen interessieren, da das Lernen mit dem Abschluss der Ausbildung bzw. des Meisters nicht vorbei ist. Man lernt jeden Tag immer wieder neue Dinge kennen. Dafür sollte man einfach bereit sein. 

Da es sich um einen Handwerksberuf handelt, sollte man außerdem einigermaßen fit und strapazierfähig sein. Je nach Arbeit kann es auch mal körperlich anstrengend werden, was in Kombination mit Planung und technischer Arbeit für mich allerdings auch den Reiz des Berufs ausmacht.

Was kommt für dich nach Abschluss der Meisterausbildung: Angestelltenverhältnis oder Selbstständigkeit?

Vorerst das Angestelltenverhältnis. Ich habe zwar jetzt meinen Meisterabschluss, das ist allerdings lediglich die theoretische und planerische Grundlage für die Selbstständigkeit. Ich möchte meine praktische Erfahrung noch ausweiten und mehr dazulernen bevor ich dann in Zukunft vielleicht den Schritt in die Selbstständigkeit wage. Da ich erst vor gut vier Jahren meine Ausbildung begonnen habe, während der ich außerdem ein Jahr in der Schule verbracht habe, ist es mir besonders wichtig, neben der theoretischen Ausbildung zum Meister auch weitere praktische Erfahrungen im E-Handwerk von erfahrenen Kollegen zu sammeln.